Noch keinen Zugang? Dann testen Sie unser Angebot jetzt 3 Monate kostenfrei. Einfach anmelden und los geht‘s!
Angemeldet bleiben
Ausgewählte Ausgabe: 9-2017 Ansicht: Modernes Layout
| Artikelseite 3 von 5

Ende der Subventionen in Sicht

Ausschreibung statt Vergütung

Ohne politische Unterstützung wäre die Offshore-Windenergie wahrscheinlich nirgendwo in Europa so schnell gewachsen, nicht einmal an den relativ preisgünstigen, küstennahen und windstarken Standorten rund um Großbritannien. Am schwierigsten war der Start in der Deutschen Bucht, weil die Investoren aufgrund der großen Küstenentfernung, der großen Wassertiefe und den entsprechend hohen Kosten vor den Risiken zurückschreckten.
Als ab dem Jahr 2011 die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) diskutiert wurde, setzten sich die Interessenverbände der Branche nachdrücklich für eine gesetzlich festgeschriebene Vergütung in Höhe von 195 €/MWh ein. Dieser Betrag war damals mehr als doppelt so hoch wie die Vergütung für den Strom, den Windparks an Land erzeugen, konnte aber trotz erheblichen politischen Widerstands nahezu ohne Abstriche durchgesetzt werden.
Die Betreiber erhalten gemäß der EEG-Novelle des Jahres 2014 für Windparks, die bis zum 1. Januar 2021 in Betrieb genommen werden, eine Vergütung in Höhe von 194 €/MWh, aber nur für die ersten acht der vorgesehenen 20 Betriebsjahre („Anfangsvergütung“). Weil diese Vergütung deutlich höher ist als selbst die Vergütung für Photovoltaik-Anlagen, hat die Bundesregierung beschlossen, die Preisfindung durch Ausschreibungen durchzuführen, die für alle Windparks verbindlich sein wird, die nach dem 1. Januar 2021 in Betrieb genommen werden. 
 Mit den ersten beiden Ausschreibungsrunden im April 2017 und im April 2018, die jeweils ein Volumen von 1,55 GW haben, soll die Offshore-Windenergie im Zeitraum von 2021 bis 2025 um insgesamt 3,1 GW wachsen. Den Bietern bleiben also einige Jahre Zeit für die Realisierung, so dass sie Spielraum haben, um bevorstehende technische Fortschritte und Kostensenkungsschritte abzuwarten.
Die installierte Leistung könnte also bis 2025 auf 10 bis 11 GW ansteigen. Die jährlichen Ausschreibungsrunden im Zeitraum von 2021 bis 2025, die jeweils ein Volumen von 700 bis 900 MW haben werden und einen Inbetriebnahmezeitraum von fünf Jahren vorsehen, sollen sicherstellen, dass bis Ende 2030 insgesamt 15 GW installiert sind. Unter der Annahme, dass die Windparks im Mittel rund 4 000 Volllaststunden jährlich erreichen (doppelt so viel wie an Land), würden die Offshore-Windparks dann rund 60 TWh liefern, also etwa ein Zehntel des heutigen Strombedarfs.

Windparks ohne Subventionen

Die erste deutsche Ausschreibungsrunde im April dieses Jahres endete mit einer großen Überraschung. Dass die Bieter sich mit deutlich weniger als 194 €/MWh zufrieden geben würden, war allgemein erwartet worden. Bereits die kürzlich durchgeführten Ausschreibungen in Dänemark und den Niederlanden hatten das Niveau der deutschen Einspeisevergütung deutlich unterschritten und einen rapiden Preisverfall eingeleitet.
Den Auftakt machte der dänische Energieversorger Dong Energy im März 2015 mit einem Gebot von 103 €/MWh für den Windpark Horns Rev 3 und ließ drei Monate später ein Gebot von 73 €/MWh für den niederländischen Zwillings-Windpark Borssele 1 + 2 folgen. Im November 2016 bot Vattenfall für den Ostsee-Windpark Kriegers Flak sogar nur 50 €/MWh. Das galt als sensationell niedriger Preis.
Doch selbst dieser wurde noch deutlich unterboten durch die Energieversorger EnBW und Dong Energy, die in der Deutschen Bucht in großer Wassertiefe Windparks errichten wollen, ohne auf finanzielle Unterstützung angewiesen zu sein. Sie haben für insgesamt drei Windparks Gebote mit jeweils 0 €/MWh abgegeben und dadurch eine neue Phase der Offshore-Windenergie eingeläutet.
Das hat politische Konsequenzen, denn die Verpflichtung hat sozusagen „die Seite gewechselt“. Nicht der Staat ist aufgrund umweltpolitischer Notwendigkeiten verpflichtet, für die finanzielle Unterstützung des Investors zu sorgen. Sondern der Investor ist verpflichtet, mit einer Subvention „nahe Null“ auszukommen – und wenn er das nicht kann, dann muss er gute Gründe dafür vorbringen. Alle zukünftigen Windparkprojekte werden daran gemessen, ob sie die von EnBW und Dong Energy angestrebte, subventionsfreie Errichtung von Windparks realisieren können oder nicht.
Das bedeutet mittelfristig eine finanzielle Entlastung der Stromverbraucher, die seit der Verabschiedung des EEG im Jahr 2000 alle Kosten tragen müssen. Und weil auch die Ausschreibungen der Solarparks bewiesen haben, dass die Photovoltaik schon für weniger als 60 €/MWh Strom produzieren kann (mit weiterhin fallender Tendenz), zeichnet sich ab, dass die erneuerbaren Energien auf dem besten Wege sind, sich von dem Makel zu befreien, sie seien „zu teuer“.

Seite des Artikels
Autoren

Dr. Dipl.-Phys. Detlef Koenemann

Jahrgang 1955, Studium der Physik an der Universität Hannover. 1987 Promotion an der Technischen Universität Braunschweig. Ab 1988 Tätigkeit als Fachredakteur. Von 1992 bis 2008 Chefredakteur der Zeitschrift „Sonne, Wind, Wärme“. Seitdem als freier Fachautor im Bereich Energietechnik tätig.

info@detlef-koenemann.de

Verwandte Artikel

Zuverlässig auch an rauen Standorten

„Windstrom muss das Netz verbessern“

Einfachere Laufzeitverlängerung von Windenergieanlagen

Unabhängiger Dienstleister sichert Investition und Verfügbarkeit

Kontinuierliche Rotorblattüberwachung für mehr Ertrag und weniger Risiko