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Ausgewählte Ausgabe: 11-2017 Ansicht: Modernes Layout
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„Ohne Stadtwerke keine Energiewende“

KOMMUNALWIRTSCHAFT | Klimaerwärmung, demografischer Wandel, Digitalisierung – Deutschland hat viele Baustellen, an denen kräftig gewerkelt wird. Die wichtigsten Partner bei den Bauarbeiten vor Ort sind unsere kommunalen Unternehmen. Sie sorgen für lebenswerte Städte und Regionen. Und machen Deutschland fit für die Zukunft. An die künftige Bundesregierung hat die Kommunalwirtschaft konkrete Forderungen, sagt Michael Ebling, Präsident des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Berlin.


Den Klimawandel kann Deutschland nicht allein bezwingen, dafür braucht es weltweit gebündelte Kraftanstrengungen. Deutschland geht mit der Energiewende voran und ist Vorbild für viele Regionen in der Welt. Deutsche Stadtwerke bekennen sich klar zur Energiewende. Sie investieren Milliarden in den Ausbau erneuerbarer Energien und klimaschonender Kraftwerke. Zwei Drittel des in kommunalen Unternehmen erzeugten Stroms kommen heute bereits aus Kraft-Wärme-Kopplungs (KWK)-Anlagen oder aus regenerativen Quellen.
Die erste Halbzeit der Energiewende fand vor allem in ländlichen Regionen statt. In der zweiten Halbzeit müssen daher unsere Städte ins Visier genommen werden. Hier können künftig viele Tonnen CO2 eingespart werden. Bestehende Fernwärme- und Gasleitungen sind der Schlüssel zur Dekarbonisierung unserer Wärmeversorgung. Moderne KWK-Anlagen erzeugen klimafreundliche Energie und machen die Energiewende bezahlbar. Von der künftigen Bundesregierung braucht es weiter ein klares Bekenntnis zu der Schlüsseltechnologie.
Über dezentrale Verteilnetze kommt der erneuerbare Strom aus den ländlichen Regionen in die Städte. Heute werden bereits 97 % der Erneuerbare-Energien-Anlagen an kommunale Netze angeschlossen. In der Dezentralität liegt ein großer Vorteil unseres Energiesystems: Viele kleine Verteilnetzbetreiber können flexibler auf Schwankungen in der Erzeugung reagieren und sind besser geschützt gegen mögliche Cyberangriffe. Ein Risiko, das wir nicht aus dem Blick verlieren dürfen. Kommunale Verteilnetzbetreiber übernehmen schon seit langem tatsächliche Systemverantwortung. Und dies sollte sich auch in den rechtlichen Rahmenbedingungen widerspiegeln. Die Systemverantwortung muss explizit auf die Verteilnetzbetreiber erweitert werden. Die künftige Bundesregierung muss dies anerkennen und dazu bereit sein, die Rahmenbedingungen für den weiteren Ausbau unserer Netzinfrastruktur so zu setzen, dass die Netzbetreiber auch stark investieren können. Nur so machen wir unsere Netze fit für die Herausforderungen der Zukunft.
Kommunale Unternehmen denken weiter: Sie denken die Energiewende ganzheitlich und beziehen alle Sektoren ein: Strom- und Wärmeerzeugung ebenso wie Mobilität. Stadtwerke fördern deutschlandweit den Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Ein starker öffentlicher Nahverkehr ist zudem der Schlüssel für eine nachhaltige Verkehrspolitik – auch dafür benötigt es kommunale Unternehmen. Innovative Lösungen entstehen hier gemeinsam mit Partnern aus Industrie, Politik und anderen Kommunen.
Und zuletzt müssen wir uns fragen, in welchem Deutschland wir leben wollen. Kommunale Unternehmen schaffen gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land. Durch den flächendeckenden Ausbau von Glasfasernetzen machen sie etwa schnelles Internet und Digitalisierung für Alle zugänglich. Als Präsident des Verbands kommunaler Unternehmen setze ich mich dafür ein, dass unsere Kommunalwirtschaft größtmögliche Gestaltungsspielräume erhält – auch bei der interkommunalen Zusammenarbeit. Nur so können wir Antworten auf die großen Herausforderungen unserer Zeit finden. Gleichzeitig muss die künftige Bundesregierung die Digitalisierung endlich zur Chefsache machen. Die vielen Förderprogramme, Initiativen und Innovationen müssen gebündelt werden. Es braucht einen gesellschaftlichen Diskurs über die Ziele und Herausforderungen der Digitalisierung.
Ein abschließender Gedanke: Unser Schatz unter der Straße, unsere Infrastrukturen müssen zukunftsgerichtet weiterentwickelt werden. Leistungsfähige Infrastrukturen sind die zentralen Lebensadern funktionierender Städte und Regionen und einer starken Industrie. Sie sind Garanten für unseren Wohlstand. Das gilt für den Verkehrsbereich genauso wie für Energie- und Wassernetze. Investitionen in Infrastrukturen sind generationsübergreifend. Wir stellen heute die Weichen für unsere Zukunft. Und genau darauf kommt es an. Tun wir es klug und zukunftsweisend. Dies ist unser Appell an die künftige Bundesregierung.

www.vku.de

Autoren
Bild: Stadt Mainz / Alexander Heimann

 Michael Ebling

Präsident des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Berlin.

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