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Ausgewählte Ausgabe: 11-2017 Ansicht: Modernes Layout
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„Jetzt heißt es, Strom, Verkehr und Wärme zusammenzubringen“

ENERGIEWIRTSCHAFT | Wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen will, dann müssen der Strom-, der Verkehrs- sowie der Wärmesektor stärker miteinander verknüpft werden. Zudem spielen Energiespeicher eine Schlüsselrolle bei der Transformation des Energiesystems. Davon ist Prof. Dr. Karsten Lemmer, Vorstand für Energie und Verkehr des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln, überzeugt.


Die größte künstliche Sonne der Welt scheint seit dem 23. März 2017 in Jülich. Mit der neuen Forschungsanlage „Synlight“ sollen unter anderem Produktionsverfahren für solare Treibstoffe, wie beispielsweise Wasserstoff, entwickelt werden. Insgesamt 149 individuell regelbare Xenon-Kurzbogenlampen erzeugen eine Lichtintensität, die mindestens dem 10 000-fachen der natürlichen Sonnenstrahlung auf der Erdoberfläche entspricht.

Die größte künstliche Sonne der Welt scheint seit dem 23. März 2017 in Jülich. Mit der neuen Forschungsanlage „Synlight“ sollen unter anderem Produktionsverfahren für solare Treibstoffe, wie beispielsweise Wasserstoff, entwickelt werden. Insgesamt 149 individuell regelbare Xenon-Kurzbogenlampen erzeugen eine Lichtintensität, die mindestens dem 10 000-fachen der natürlichen Sonnenstrahlung auf der Erdoberfläche entspricht.

Herr Professor Lemmer, vor welchen  Herausforderungen in der Energiewirtschaft und -politik steht Deutschland?

Im Stromsektor sind die Aussichten gut, dass wir 2050 rund 80 % erneuerbaren Strom haben werden. Anders sieht es im Verkehrs- und Wärme-Sektor aus, hier hat sich noch zu wenig getan. Vor allem der Verkehrssektor ist nun durch die Dieseldiskussion in den Fokus von Politik und Öffentlichkeit gerückt. Wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen möchte, dann müssen auch diese beiden Bereiche nachhaltiger und effizienter werden. Immer wichtiger wird auch, dass wir die einzelnen Sektoren stärker miteinander verknüpfen. Erst dann hat die Energiewirtschaft die Möglichkeit, überschüssige Energie zum Beispiel aus dem Stromsektor in den Wärmesektor zu lenken oder regenerative Energien netzverträglich für die Elektromobilität zu nutzen. Und, ein weiterer Punkt: Wir brauchen nach wie vor effiziente und kostengünstige Energiespeicher.

Von Elektroautos ab gesehen: Wie kann  eine Sektorenkopplung konkret aussehen?

Batteriebetriebene Fahrzeuge geben uns die Möglichkeit, Energie aus dem Stromsektor im Verkehrssektor zu nutzen. Aber: Mit der heutigen Batterietechnologie können Elektrofahrzeuge nicht das ganze Verkehrsspektrum abdecken. Vor allem im Güterverkehr – und auch in der Luftfahrt – muss es noch weitere alternative Antriebskonzepte geben. An dieser Stelle kommt „Power-to-X“ ins Spiel, dabei wird erneuerbare Energie in alternative Treibstoffe umgewandelt. Wasserstoff bietet sich hier als Erstes an, weil die Entwicklung von Brennstoffzellen und auch Elektrolyse-Verfahren schon sehr weit fortgeschritten sind. Aber es gibt weitere Alternativen, zum Beispiel synthetische Kraftstoffe, die als chemische Speicher eine hohe Energiedichte haben. Solche flüssigen Kohlenwasserstoffe können genau wie herkömmliche Treibstoffe in Motoren und Turbinen zum Einsatz kommen, was für eine Übergangszeit die klimaneutrale Weiternutzung heutiger Fahrzeuge ermöglicht. Egal welche Treibstoffe sich bewähren: Sie müssen nachhaltig und klimaneutral aus erneuerbaren Energien hergestellt werden.

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Prof. Dr. Karsten Lemmer, Vorstand für Energie und Verkehr des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Köln.

Das klingt alles noch etwas unkonkret.

Derzeit besteht ein enormer Bedarf an kostengünstigen Verfahren und Technologien zur effizienten Erzeugung nachhaltiger Brenn- und Treibstoffe, auch wenn es noch dauern wird, bis sie am Markt sind. Als Forschungseinrichtung sucht das DLR technologieoffen nach den besten Lösungen für den Verkehrssektor. Ganz konkret arbeiten wir an Verfahren zur Herstellung von Wasserstoff aus Strom oder direkt aus Sonnenenergie sowie an der Optimierung der Herstellung von synthetischen Kraftstoffen.

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