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Ausgewählte Ausgabe: 11-2017 Ansicht: Modernes Layout
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„Die Energiekette wächst zusammen“

ENERGIEVERSORGUNG | Energiewende und Digitalisierung verändern die Versorgungslandschaft in rasantem Tempo. Inmitten des Geschehens: die Siemens AG als global tätiger Systemlieferant für Erzeugung, Netzbetrieb und Energiemanagement. BWK sprach mit Prof. Dr.-Ing. Michael Weinhold, Chief Technical Officer, Energy Management Division bei Siemens in Erlangen, über die aktuellen Herausforderungen und Trends – und darüber, wie Siemens sich im Energiemarkt 4.0 als Lösungsanbieter positioniert.


Mit der Weiterentwicklung seiner EnergyIP-Smart-Grid-Applikationen treibt Siemens die digitale Transformation der Energiewirtschaft voran. Seit kurzem laufen EnergyIP-Applikationen unter MindSphere, dem cloud-basierten Betriebssystem für das Internet der Dinge.

Mit der Weiterentwicklung seiner EnergyIP-Smart-Grid-Applikationen treibt Siemens die digitale Transformation der Energiewirtschaft voran. Seit kurzem laufen EnergyIP-Applikationen unter MindSphere, dem cloud-basierten Betriebssystem für das Internet der Dinge.

Herr Professor Weinhold, Sie kommen gerade von der Kongressmesse Euro pean Utility Week (EUW) aus Amsterdam zurück. Welche Themen bewegen aktuell die globale Energiewelt?

Es geht um die tief greifenden Veränderungen im Energiesystem. Wie kann man die technischen Herausforderungen lösen, die durch den weltweiten Ausbau von Windkraft- und Photovoltaik (PV)-Anlagen und deren variablen Energieerzeugung entstehen? Wie schafft man einen intelligenten Übergang von konventionellen Kraftwerken, die weiterhin benötigt werden, zur dezentralen regenerativen Erzeugung? Elektromobilität und Energiespeicher sind weltweit zentrale Themen. Neue Herausforderungen ergeben sich auch daraus, dass die Endkunden als Marktakteure in den Mittelpunkt rücken und viele innovative Geschäftsmodelle entstehen. All dies hat Auswirkungen auf die Netze als verbindendes Element. Hier geht es darum, mehr Energie durch die Netze transportieren zu können beziehungsweise sie flexibler und intelligenter zu machen. Es bedarf neuer Systemdienstleistungen und tieferer Koordination im Netzbetrieb. Modernisierung und Umbau der Übertragungs- und Verteilnetze sind sicherlich die zentralen Zukunftsherausforderungen, denn wir werden in den nächsten Jahrzehnten eine zunehmende Fokussierung auf die elektrische Energie erleben. Sie wird zukünftig unser wichtigster Energieträger und damit die Basis für die Installation nachhaltiger Systeme sein.

„Wir brauchen weiterhin  Übertragungs- und Verteilnetze“

Die Situation verändert sich also  sowohl auf der Erzeuger- als auch auf der Abnehmerseite. Was bedeutet das konkret für das Netz?

Das Stromnetz steht als verbindendes Element im Mittelpunkt. An der grundsätzlichen Netzarchitektur wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern. Wir brauchen weiterhin Übertragungs- und Verteilnetze, auch wenn mancher die Meinung vertritt, Übertragungsnetze würden durch die Dezentralisierung der Erzeugung obsolet. Ohne Übertragungsnetze bekommen wir die großen Energiemengen aus Wind- und Solaranlagen nicht zu den Verbrauchsschwerpunkten. Parallel benötigen wir im Bereich der Mittel- und Niederspannung resiliente und intelligente lokale Infrastrukturen, die auf die veränderten Anforderungen zugeschnitten sind.

Was unterscheidet die Herausforderungen durch die Energiewende in Deutschland von denen in anderen Ländern?

Die Situation in Deutschland ist gekennzeichnet durch eine enorme Komplexität. Inzwischen existieren bei uns rund 1,7 Mio. Kraftwerke, vor allem kleine PV-Anlagen. Diese Kleinteiligkeit ist weltweit einzigartig, aber das macht es für uns Ingenieure auch besonders interessant. Andere naturräumliche Voraussetzungen und politische Entscheidungen führen zu anderen Energieerzeugungslandschaften. Dubai beispielsweise errichtet gerade ein 800-MW-PV-Kraftwerk. In Irland etwa dominiert klar die regenerative Energieerzeugung aus Windkraft, und Norwegen setzt von jeher schon stark auf Wasserkraft.

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