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Ausgewählte Ausgabe: 11-2017 Ansicht: Modernes Layout
Gastkommentar
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Energiespeicher und ihre Bedeutung für die Energiewende


ENERGIEVERSORGUNG | Anbieter von Energiespeicherlösungen suchen weiter nach Möglichkeiten, deren Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. Oft ist die Amortisationszeit für Industrieunternehmen noch zu lang. Innerhalb von zwei bis drei Jahren sollten sich die Investitionen bereits rechnen. Das ist wesentlich kürzer als in der Energiewirtschaft, in der mit Amortisationszeiträumen von zehn Jahren und mehr gerechnet wird. Der Return-on-Investment von Energiespeichern liegt in der Regel dazwischen. Mehrfachanwendungen der Energiespeicher, die mit einer einzigen Investition adressiert werden, steigern dagegen deren Wirtschaftlichkeit und verkürzen die Amortisationszeit. Peak Shaving ist so eine Anwendung und nach wie vor die bedeutendste, wenn es um Behind-the-Meter-Anwendungen von Energiespeichern geht. Auf der einen Seite können wir in Zukunft weiterhin mit einer erheblichen Kostenreduzierung auf technologischer Seite rechnen. Auf der anderen Seite verbessern sich die Einsparungen von Netzseite her. Aufgrund der vermehrten Nutzung von erneuerbaren Energien besteht Anpassungsbedarf im Bereich der elektrischen Energieverteilung. Das führt zu höheren Netzentgelten und Leistungspreisen. Peak Shaving gewinnt also weiter an Relevanz. Eine spannende Mehrfachanwendung ist aus unserer Sicht Peak Shaving zur Einsparung von Leistungsentgelten in Kombination mit einer Back-Up-Funktionalität, also einer Art Notstromversorgung für industrielle Prozesse.

Wir haben in den letzten Jahren im Bereich der technologischen Entwicklung viel dafür getan, dass bereits heute lückenlos zwischen Netzparallelbetrieb und Inselnetzbetrieb umgeschaltet werden kann. Es gibt allerdings einen Haken, und zwar die aktuellen Entwicklungen der Netzanschlussbedingungen. Es ist mehr als fragwürdig: Selbst, wenn man nur Peak Shaving im Industrienetz durchführt und in keiner Weise Energie in das öffentliche Netz einspeist, wird die Anlage entsprechend der aktuellen Richtlinienentwürfe dennoch als Energieerzeugungsanlage klassifiziert, obwohl die Speichereinheit niemals als Erzeuger für das öffentliche Netz in Erscheinung tritt. Für einen Speicher, der nur im eigenen Industrienetz lastdämpfend wirken soll, gelten damit dieselben Anschlussbedingungen wie für kommerzielle Erzeugungsanlagen. Es ist paradox: Ein Notstromspeicher ist durch diese Klassifizierung gezwungen, netzstützende Maßnahmen durchzuführen. Im Ergebnis hat der Nutzer eine kurze Versorgungsunterbrechung hinzunehmen. Bereits ein bis zwei Sekunden sind für viele Unternehmen zu lang, da die meisten Industrieprozesse bereits abgebrochen sind. Damit ist diese mögliche Doppelnutzung des Speichers mit hohen regulatorischen Hürden versehen. Technologisch gesehen wären deutlich kürzere Unterbrechungszeiten bis hin zu einem lückenlosen Umschaltbetrieb möglich.

In der Energiewende darf keine derartige Reduktion an Möglichkeiten stattfinden – es müssen neue Technologien entwickelt und eingesetzt werden. Denn aktuell ist die Energiewende vornehmlich eine Stromwende. Für die Reduzierung unseres CO2-Ausstoßes müssen zeitnah weitere Energiesektoren angegangen werden, die noch auf fossilen Energiequellen beruhen. Das sind insbesondere der Wärme- sowie der Mobilitätssektor. Hierfür müssen wir auf kurz oder lang unseren Verbrauch an konventionellen Energieträger zumindest in Teilen auf aus regenerativen Energien produzierte synthetische Gase und Kraftstoffe umstellen. Die Lösung dafür ist eine Kopplung zwischen Strom- und Wärme- sowie zwischen Strom- und Mobilitätssektor. Power- to-Gas sowie Brennstoffzellenanwendungen bilden die technologische Grundlage dafür. Gleichzeitig ist das Gasversorgungsnetz mit den nationalen Gasspeichern der größte Energiespeicher, der unserem Land zur Verfügung steht. Wenn wir dieses Potenzial im Sinne der Nutzung regenerativer Energiequellen und der Dekarbonisierung unserer Energieversorgung nutzen können, haben wir viel gewonnen. In diesem Sinne sind die Begriffe Sektorkopplung und Langzeitspeicherung mit einer ähnlichen, sich gegenseitig unterstützenden Zielstellung versehen.

Autoren

 Andreas  Becker

Head of Grid & Storage bei AEG Power Solutions, Warstein-Belecke.