Noch keinen Zugang? Dann testen Sie unser Angebot jetzt 3 Monate kostenfrei. Einfach anmelden und los geht‘s!
Angemeldet bleiben
Ausgewählte Ausgabe: 11-2017 Ansicht: Modernes Layout
| Artikelseite 1 von 2

Blackout in Wildpoldsried – geplant umgesetzt und behoben

NETZSTABILITÄT | Im Rahmen des Projektes Iren2 1) haben die Projektpartner kürzlich erstmals erfolgreich einen Inselbetrieb im Allgäu nur auf Basis erneuerbarer Energien durchgeführt. Mithilfe eines intelligenten Microgrids wurde ein unterbrechungsfreier, stabiler Netzbetrieb demonstriert. Die Erkenntnisse aus dem Allgäu haben weltweite Bedeutung.


Erneuerbare Energien bleiben weltweit auf dem Vormarsch. Deutschland hält eine Spitzenposition, aber andere Länder holen massiv auf oder haben die Bundesrepublik bereits überflügelt. Diese Erkenntnisse belegt der Statusreport der erneuerbaren Energien, den Ren21 2) – ein Netzwerk aus Regierungen, internationalen Organisationen und Branchenverbänden – einmal im Jahr vorlegt. So waren über 60 % der gesamten Kapazitäten zur Stromerzeugung, die im vergangenen Jahr errichtet wurden, erneuerbar. Der Anteil der regenerativen Energien lag 2016 weltweit bei 24,5 %. Die Windenergie wurde um 12 %, die Photovoltaik sogar um 33 % ausgebaut. Dieses Wachstum hat erhebliche Investitionen ausgelöst, allein 2016 flossen rund um den Globus rund 215 Mrd. € in die weitere Stärkung der erneuerbaren Energien. Deutschland ist im Bereich der installierten Leistung bei erneuerbaren Energien (ohne Wasserkraft) hinter China und den USA auf Platz 3, denselben Rang erreicht es auch bei der installierten Leistung pro Kopf der Bevölkerung hinter Island und Dänemark.
Vor diesem Hintergrund gewinnt das Forschungsprojekt Iren2 im Allgäu immer mehr an Gewicht, das beispielhaft die Energieversorgung mit vielen kleinen, dezentralen Stromerzeugern in einem Smart Grid erprobt und im Sommer 2014 in Wildpoldsried gestartet wurde. Partner in diesem wegweisenden Vorhaben für das Gelingen der Energiewende sind die Hochschule Kempten, die RWTH Aachen, das Allgäuer Überlandwerk (AÜW), Siemens sowie das IT-Unternehmen ID.Kom. Ende August demonstrierten die Projektbeteiligten erfolgreich den ersten Inselnetzbetrieb nur mithilfe der erneuerbaren Energieerzeugung. Damit konnte erstmals ein Teil des Niederspannungsnetzes vom öffentlichen Stromnetz abgekoppelt werden. Das Inselnetz der Gemeinde Wildpoldsried ließ sich unterbrechungsfrei und stabil betreiben. „Wir haben mit diesem Versuch nachgewiesen, dass wir ein regionales, in sich geschlossenes Stromverteilungsnetz, also ein Microgrid, intelligent realisieren können“, freut sich Alexander Hammer, verantwortlicher Projektleiter bei Siemens.

Erster Microgrid-Test im Echtbetrieb

Bei einem weiter steigenden Anteil dezentraler, erneuerbarer Einheiten zur Stromerzeugung, wie etwa Photovoltaik- oder Biogas-Anlagen, sollen lokale Inselnetze so künftig einen wichtigen Beitrag leisten, um eine hohe Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten. „Der Testversuch war der erste Microgrid-Test außerhalb einer Laborumgebung, das heißt im Echtbetrieb der AllgäuNetz und mit realen Hausanschlüssen von unseren Kunden“, erklärt Michael Lucke, Geschäftsführer des Allgäuer Überlandwerks. Damit wurde eine mögliche Netzstörung durch Sturm oder Überflutungen und – noch schlimmer – ein Blackout simuliert. Anschließend konnte das Netz aus der vorhandenen Batterie, die den in Wildpoldsried erzeugten überschüssigen Strom speichert, wieder angefahren werden – sozusagen aus eigener Kraft ohne Verbindung zum übergeordneten Stromnetz. Die zwischenzeitliche Abkopplung vom öffentlichen Netz hatte keinerlei Auswirkungen auf die Anschlüsse der in den Versuch integrierten Haushalte. Damit war die sogenannte Schwarzstartfähigkeit des Inselnetzes nachgewiesen. Das abgekoppelte Stromnetz kann mit eigenen Erzeugungsanlagen in den Regelbetrieb übergehen und sich selbst stabilisieren.

Seite des Artikels
Autoren

 Klaus Jopp

Pressebüro WiWiTech, Hamburg
klaus.jopp@wiwitech.de