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Ausgewählte Ausgabe: 7-8-2016 Ansicht: Modernes Layout
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Verdoppelte Anschlusskapazität

DIGITALISIERUNG | Das Strommarktgesetz, das am 23. Juni 2016 im Bundestag verabschiedet wurde, bringt für viele Verteilnetzbetreiber und Stadtwerke die erhoffte Wende und vergünstigt für manchen Anlagenbetreiber den Netzanschluss. Mit der Spitzenkappung erhalten Netzbetreiber eine zusätzliche Option für den effizienten Netzausbau. Damit ist der Weg frei, Investitionen in die konventionelle Infrastruktur-Erweiterung mit Hilfe innovativer IT-basierter Regelungstechnik zu begrenzen und teilweise ganz zu vermeiden. Studien und ein erster Feldtest belegen, dass sich mittels dynamischer Spitzenkappung und intelligenter Regelungstechnik die Anschlusskapazität nahezu verdoppeln lässt. Die verfügbaren Infrastrukturen stoßen heute vielerorts an ihre Grenzen, um neue dezentrale Erzeugungsanlagen anzuschließen.


Netzregler für die dynamische Spitzenkappung.

Netzregler für die dynamische Spitzenkappung.

Insbesondere in ländlichen Regionen zehren die Stromerzeugung von Photovoltaik- und Windenergieanlagen die letzten freien Anschlusskapazitäten auf. Ungeachtet dessen standen Netzbetreiber bisher in der Pflicht, den regenerativ erzeugten Strom jederzeit vollständig aufzunehmen. Es galt die unumstößliche Vorschrift, konventionelle Netzkapazitäten – also Leitungen und Transformatoren – für die höchstmögliche Erzeugungsspitze vorzuhalten. Außerdem bringt der konventionelle Netzausbau zunächst oft langwierige Bauarbeiten mit sich, die die Integration erneuerbarer Energien verzögern.
Mit dem neuen Strommarktgesetz gibt es endlich eine Alternative zum kostspieligen und langsamen konventionellen Ausbau. In Zukunft dürfen Netzbetreiber bis zu 3 % der jeweiligen jährlichen Stromerzeugung von PV- und Windenergieanlagen abregeln, wenn Stromüberlast droht. Die neue Vorgabe läutet einen grundlegenden Paradigmenwechsel bei Verteilnetzen und Anschlusskapazitäten ein: die Digitalisierung des Netzausbaus. Mittels innovativer IT-basierter Regelungstechnik lassen sich Kapazitätsengpässe durch minimale und kurzzeitige Eingriffe in Einspeisevorgänge kosteneffizient behandeln.

Verdoppelung der Netzanschlusskapazität

Der Gesetzgeber lässt zwar grundsätzlich die Wahl der Spitzenkappung für Verteilnetzbetreiber zunächst offen. Das Resultat einer Studie, die das Institut für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft (IAEW) der Technischen Hochschule Aachen im Auftrag der EWE AG durchführte, ist in diesem Punkt jedoch klar: Die dynamische, IT-gestützte Drosselung, bei der die Steuerung der Anlagen präzise nach dem aktuellen Netzzustand erfolgt, ist wirksam und der pauschalen Kappung überlegen, bei der Erzeuger ab einer bestimmten Grenze dauerhaft in ihrer Leistung begrenzt werden.
Den Ergebnissen der Studie zufolge würde in 56 % der betrachteten Mittelspannungsnetze ein intelligentes Einspeisemanagement mit einer Abregelung pro Anlage von maximal 3 % zur Verdoppelung der installierten EE-Leistung ausreichen, um technische Grenzverletzungen an den Netzübergabepunkten zu vermeiden. In mehr als jedem zweiten Verteilnetz lässt sich folglich die Anschlusskapazität ohne konventionelle Ausbaumaßnahmen verdoppeln. Im Falle einer pauschalen Spitzenkappung, also ohne situative Abregelung, wäre dies dagegen nur für 7 % der Netze gegeben. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Durch den Einsatz regelbarer Ortsnetztransformatoren, die die Spannungshaltung zwischen Mittel- und Niederspannungsebene entkoppeln, lässt sich ein Großteil von Abregelungen im Niederspannungsnetz vermeiden.

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Autoren

Dr.-Ing. Matthias Rohr

BTC Business Technology Consulting AG, Oldenburg
www.btc-ag.com

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